St. Maximilian Kolbe
Tansania
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© 2013 St. Maximilian Kolbe
 

“Hills and mountains cannot meet – but people can!”

St. Maximilian Kolbe und die Weltkirche

Christ sein kann man nur in Gemeinschaft, mindestens zu zweit, aber auch mit 2 Millionen oder 2 Milliarden anderen Menschen. Im Zentrum des Christseins stehen Gott und der Mensch, ihre Beziehung zueinander und der christlich-soziale Umgang aller Menschen als Gottes Geschöpfe untereinander und als dessen Werkzeuge – gleich ob weltweit, europäisch oder lokal. Denn anders als leblose Hügel und Berge im eingangs zitierten Sprichwort sind wir so geschaffen, dass wir einander begegnen und aufeinander zugehen können.

 

 

Und so war es eine besondere Freude, dass zum diesjährigen Weltmissionssonntag am 28. Oktober zwei tansanische Benedik­tiner in St. Maximilian Kolbe zu Besuch kommen konnten: Abt Thaddäus (3. v. links) und Bruder Odo (links) waren wegen des alle vier Jahre statt­findenden Generalkapitels der Missions­benediktiner in St. Ottilien unterwegs in Deutschland. Beim Generalkapitel hatten sich alle Äbte aus 19 Ländern mit ihren Delegierten getroffen, um einzelne Probleme und gemeinsame Projekte zu beraten.

 

Nachdem Abt Thaddäus in allen drei Kirchen unseres Seelsorgebereichs Messen konzelebriert hatte, stand er im gut besuchten Gemeindezentrum MAX Rede und Antwort. Er begann mit der Missionierung Tansanias durch die Benediktiner von St. Ottilien ab 1887. Aus den früheren deutschen Missionsgebieten, nicht nur im ehemaligen Deutsch-Ostafrika, sind bereits seit einigen Jahrzehnten eigenständige Diözesen und Klöster geworden, die fast ausnahmslos unter der Leitung einheimischer Bischöfe und Äbte stehen. So erklärte Abt Thaddäus, dass er in seiner Abtei Hanga im Süden Tansanias für 128 Mönche verantwortlich ist. Wie bei den Benediktinern üblich, sind „nur“ 21 von ihnen Priester; die meisten Mönche sind in Handwerksberufen oder in der Landwirtschaft, als Lehrer oder Ärzte tätig.

 

 

Die zahlreichen Werkstätten sichern unzähligen Familien aus allen umliegenden Dörfern den Lebensunterhalt, die großen landwirtschaftlichen Betriebe (Mais, Kohl, Bananen, Papaya, Hühner, Schweine, Fische etc.) sorgen dafür, dass im Kloster und seiner Umgebung fast niemand hungern muss. Ein Hauptanliegen nicht nur unserer St.-Maximilian-Kolbe-Projekte, sondern auch der Benediktiner-Abteien ist die Verbesserung der Bildungschancen; „denn“, so formuliert es Anselm Grün, Missionsbenediktiner aus Münsterschwarzach, „die Zukunft derMenschen liegt in einer angemessenen Bildung und in einem Gespür, wie sie auf Dauer im Einklang mit der Schöpfung leben können."

 

Und so unterhält auch das Kloster Hanga eine Grundschule, ein Gymnasium (desssen Leiter Bruder Odo lange Jahre war), einen Kindergarten, ein Theologen-Seminar und eine Berufsschule. Diese Bildungsprojekte sind aus ökonomi­scher Sicht „Zuschuss­unternehmen“: Da aber möglichst vielen Dorfbewohnern eine vernünftige Schulbildung zuteil werden soll, kann der Abt die Schulgebühren nicht erhöhen. Mit den niedrigen Gebühren lassen sich jedoch die Lehrer nicht bezahlen. Also müssen die Mönche aus anderen Bereichen die Schulen mitfinanzieren und im eigenen Klausurbereich sparen, z.B. bei der Elektrizität: Strom gibt es für eine Stunde morgens ab 5 Uhr bis zum Frühgebet sowie abends nach Sonnenuntergang für etwa zwei Stunden. Länger lässt sich der Generator nicht betreiben. Keine Elektrizität bedeutet aber nicht nur „kein Licht“, „kein TV“ und „kein PC“, sondern auch Probleme bei lebenswichtigen alltäglichen Verrichtungen: in der Schneiderei keine elektrische Nähmaschine, in der Schreinerei keine elektrische Säge, in der Krankenstation keine Operationen und Behandlungen, für die mittels Elektrizität betriebene Geräte benötigt werden, in der Küche kein Kühlschrank und kein Elektroherd. Gekocht wird über offenem Feuer, und dazu benötigt jede Küche große Mengen an Holz.

 

 

Daher hat Abt Thaddäus ein nachhaltiges Aufforstungs­programm begonnen, das die Gäste in St. Maximilian Kolbe durch ihren Unkostenbeitrag zum Essen und durch Einkäufe von tansanischem Kunsthandwerk mit 200 Euro unterstützt haben. Pastor Wolff hat die Spende beim gemeinsamen Abend­essen dem Abt überreicht, der an diesem Tag übrigens seinen Namenstag (Judas Thaddäus) feierte und sich über den Zuschuss gefreut hat. Als nächstes plant Abt Thaddäus übrigens, die Stromversorgung mit Solar­energie auszuweiten.

 

Wir haben viel von den Gästen über Tansania, das übrigens das Beispielland der Sternsinger­aktion 2013 ist, erfahren können. Aber auch umgekehrt haben die beiden Benediktiner aufschlussreiche Tage in Köln verbracht und einiges über hiesige Lebensbedingungen gelernt. Wenngleich für beide (nach 1986 bzw. 2008) der zweite Deutschlandbesuch, so war es doch der erste Aufenthalt außerhalb von Klostermauern im „normalen“ rheinischen Alltag. Neben dem Besuch des Kölner Doms, von dessen Größe beide schlichtweg überwältigt waren, lag ihnen übrigens der Besuch am Grab des Kirchenlehrers Albertus Magnus besonders am Herzen. Dort in der Krypta von St. Andreas haben sie ehrfürchtig Anbetung gehalten. Durch derartige persönliche Kontakte und Begegnungen bleibt die Arbeit der großen Hilfswerke kein abstraktes Wort und die Spendenaufrufe von missio, Misereor und Adveniat keine lästigen Betteleien. Hilfe, die oftmals weniger mit Geld als mit Vertrauen und Verantwortung zu tun hat, wird so konkret. All dies geschieht aus den Maximen der deutschen Missionsbene­dik­tiner heraus, die für das Handeln aller Christen gelten: Hilfe zu einem eigenständigen und gotterfüllten Leben Engagement für Gesundheit, Ausbildung und Umwelt im Dialog mit den Kulturen

 

Wer den beiden Benediktinern in ihrer Abtei Hanga begegnen möchte, ist herzlich eingeladen, an der Reise mit einer Kleingruppe durch den „wilden Süden“ Tansanias im Juli 2014 teilzunehmen.

Denn: Hügel und Berge können sich nicht begegnen, aber Menschen können es!

 

Kölner Stadtanzeiger vom 8. November 2012

Text des Artikels

Afrika ein Stück näher gebracht

Zwei Benediktiner-Mönche aus Tansania besuchen die Gemeinde St. Maximilian-Kolbe

VON ROLAND SCHRIEFER

 

Finkenberg. Zwei Benediktinermönche aus dem Süden der Republik Tansania in Ostafrika haben die St. Maximilian Kolbe Gemeinde besucht. Möglich wurde dies, weil Peri Terbuyken vom Pfarrgemeinderat in diesem Jahr Tansania bereist hatte. "Ich war eingeladen worden, im Gästehaus der Benediktiner in der Hauptstadt Daressalam zu wohnen", sagte sie. Mit dem Bus sei sie in den Süden des Landes zur Abtei Hanga gefahren, wo sie Abt Thaddäus und Bruder Odo kennengelernt habe. Als die beiden Mönche nun zum Generalkapitel der Missionsbenediktiner nach St. Ottilien in Bayern gekommen waren und noch die Abtei Königsmünster in Meschede und die Ewige Stadt Rom besucht hatten, wurden sie auch eingeladen, einen Abstecher nach Finkenberg zu machen. "Es lag doch nahe, die Mönche nach Köln einzuladen, damit sie den Kölner Dom und das Grab von Albertus Magnus in St. Andrea besichtigen konnten", sagte Terbuyken. Köln habe sie beeindruckt, sagten die beiden afrikanischen Mönche. Von Abt Thaddäus und Bruder Odo wiederum waren die Mitglieder der Kirchengemeinde beeindruckt. Nach der Messe waren die Mönche bereit, Fragen zu beantworten. Als Dolmetscherin stand ihnen Gertrud Limbach zur Seite. Die pensionierte Englisch-Lehrerin kennt sich in der ostafrikanischen Republik Tansania ganz gut aus. Seit vielen Jahren besteht zwischen dem Hildegard-von-Bingen- Gymnasium in Kölner Westen, ihrer ehemaligen Schule, und der Wende Secondary School Njombe eine Schulpartnerschaft. "Wir haben dort die Schule aufgebaut", sagte sie. 2003 habe es nur den Busch gegeben, heute stehen in Njombe Schulgebäude mit 16 Klassenräumen, einer Bibliothek, einem Computerraum, einer Mensa und Verwaltungsräumen. "Das wurde zur Hälfte aus Spenden und zur anderen Hälfte aus Mitteln des Landes NRW finanziert", sagte Limbach. Die Gemeindemitglieder erfuhren von den Mönchen, dass etwa ein Drittel der Bevölkerung von Tansania Christen seien. "Wir wachsen stetig", sagte Abt Thaddäus. Seine Abtei halte sich strikt an den Glaubenssatz der Benediktiner "ora et labora" (bete und arbeite). "Aber unsere wichtigste Aufgabe sehen wir in der Vermittlung von Bildung." Die Abtei mit 128 Mönchen sei der größte Arbeitgeber in der Region und betreibe eine Schule und ein Seminar. Es gebe allerdings keine staatliche Unterstützung für den Bildungsauftrag. "Für die Lehrer müssen unsere Schüler Schulgeld bezahlen." Aber weil das Schulgeld so gering wie möglich gehalten wird, sei die Schule für alle Menschen offen, gleichgültig welcher Herkunft und welcher Religion. "Zu uns können alle kommen."